Moore sind stille Landschaften – und zugleich einer der wirksamsten Hebel im Klimaschutz. Eine Exkursion der OEKOGENO-Stiftung führte im Mai nach Mecklenburg-Vorpommern, mitten hinein in wiedervernässte und entwässerte Moorlandschaften. Für die Moorforscherin und OEKOGENO-Aufsichtsrätin Anke Nordt wird dort sichtbar, was sich sonst nur abstrakt erklären lässt.
Zur Person
Was war für dich der eindrücklichste Moment der Moorexkursion?
Der Anklamer Stadtbruch war für viele der Höhepunkt. Ein Gebiet, das schon seit längerem wiedervernässt ist und in dem sich Flora und Fauna deutlich entwickelt haben. Wenn man dort unterwegs ist, merkt man sehr unmittelbar, wie sich Landschaft verändert, wenn Wasser wieder bleibt.
Auch der direkte Kontakt mit dem Moor war für viele eindrücklich – etwa beim Arbeiten mit dem Torfbohrer. Wenn man die Torfschichten in der Hand hält und erkennt, dass dort Pflanzenreste über Jahrtausende konserviert wurden, bekommt das Thema eine ganz andere Dimension.
Kurz erklärt: WARUM MOORE KLIMASCHÜTZER SIND
Moore entstehen, wenn abgestorbene Pflanzen unter Wasser nur unvollständig zersetzt werden. Ohne Sauerstoff bleibt der Kohlenstoff im Torf gespeichert.
Werden Moore entwässert, gelangt Sauerstoff an das Material. Der gespeicherte Kohlenstoff wird freigesetzt – vor allem als CO₂.
Obwohl Moore nur einen kleinen Teil der Landfläche ausmachen, speichern sie weltweit enorme Mengen Kohlenstoff, nämlich in etwa doppelt so viel wie alle Wälder der Erde. In Deutschland sind die meisten Moore entwässert und werden landwirtschaftlich genutzt.
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Deep Dive zum Thema „Wiedervernässung von Mooren“
Sie möchten tiefer einsteigen? In unserem Hintergrundartikel erklären wir, warum die Wiedervernässung von Mooren so wirksam ist – und warum ihre Umsetzung politisch, wirtschaftlich und planerisch komplex bleibt.
Warum sind Moore eigentlich so wichtig für den Klimaschutz?
Entwässerte Moore setzen CO₂ frei, weil der Torf mit Sauerstoff in Kontakt kommt und sich zersetzt. Man kann sich das wie ein Konservierungssystem vorstellen: Solange alles unter Wasser liegt, bleibt es erhalten. Sobald Luft dazukommt, beginnt der Abbauprozess.
Zusätzlich sinkt der Boden über die Zeit ab – sogenannte Sackungsprozesse. Gerade in Küstenregionen verstärkt das die Probleme, weil Landflächen an Höhe verlieren, während gleichzeitig der Meeresspiegel steigt.
Die zentrale Frage ist deshalb: Wie bekommt man Wasser wieder dauerhaft in die Landschaft?
Kurz erklärt: WAS BEDEUTET WIEDERVERNÄSSUNG?
Wiedervernässung bedeutet, die künstliche Entwässerung zu beenden und den Wasserstand in einem Moor so anzuheben, dass wieder dauerhaft sauerstoffarme Bedingungen entstehen.
Dazu werden Entwässerungsgräben verschlossen oder reguliert, Wasserabflüsse verlangsamt und hydrologische Systeme angepasst.
Der Prozess ist komplex, weil jedes Moor Teil eines größeren Landschaftswasserhaushalts ist und oft viele Flächen, Nutzungen und Eigentumsverhältnisse betroffen sind.
Warum ist Wiedervernässung in der Praxis so schwierig?
Der wichtigste Punkt ist der Flächenzugriff. Ohne Zustimmung der Eigentümerinnen und Eigentümer geht es nicht.
Für viele landwirtschaftlich genutzte Moore bedeutet das aber auch einen wirtschaftlichen Einschnitt. Die bisherigen Nutzungen – etwa Milch- und Fleischproduktion oder Ackerbau – sind mit hohen Wasserständen nicht mehr möglich.
Deshalb braucht es neue Nutzungskonzepte, die wirtschaftlich tragfähig sind und gleichzeitig mit nassen Bedingungen funktionieren.
Ein großer Teil der Herausforderung liegt darin, dass die bestehenden Anreizsysteme derzeit noch die entwässerte Nutzung fördern.
Kurz erklärt: PALUDIKULTUR
Paludikultur bezeichnet die landwirtschaftliche Nutzung nasser Moorböden.
Angebaut werden Pflanzen, die mit hohen Wasserständen zurechtkommen, etwa Schilf oder Torfmoose.
Diese Biomasse kann künftig als Rohstoff dienen – zum Beispiel für Bau- und Dämmstoffe, Substrate oder Verpackungen. Damit entsteht die Perspektive, Klimaschutz und Nutzung miteinander zu verbinden.
Was wünschst du dir von Menschen, die das Thema unterstützen möchten?
Unterstützung kann auf verschiedenen Ebenen stattfinden – finanziell über Zustiftungen oder Spenden, aber auch durch Interesse, Wissen und Vernetzung, um inhaltlich mitzuarbeiten.
Entscheidend ist, dass das Thema gesellschaftlich getragen wird. Wiedervernässung ist kein Nischenthema, sondern auch ein wichtiger Teil der Klimaanpassung.
Kurz erklärt: DIE OEKOGENO-STIFTUNG IM LANDGRABENTAL
Die OEKOGENO-Stiftung erwirbt Moorflächen, um deren Wiedervernässung zu ermöglichen.
Im Landgrabental in Mecklenburg-Vorpommern wurden in den Jahren 2023 und 2024 insgesamt 43 Hektar gesichert. Das Gebiet ist Teil eines größeren entwässerten Moorkomplexes, in dem derzeit eine Wiedervernässung auf mehreren hundert Hektar in Vorbereitung ist.
Der Flächenankauf wirkt dabei als Hebel: Einzelne Grundstücke können entscheidend dafür sein, ob zusammenhängende Wiedervernässungsflächen entstehen können.
Welche Rolle kann die OEKOGENO-Stiftung in diesem Kontext spielen?
Die OEKOGENO-Stiftung kauft gezielt Moorflächen an, um Wiedervernässung möglich zu machen.
Oft entscheiden einzelne Flurstücke darüber, ob ein größeres Projektgebiet umgesetzt werden kann oder nicht. Deshalb kann der Flächenankauf eine wichtige Hebelwirkung entfalten.
Im Landgrabental in Mecklenburg wurden bereits Flächen gesichert, auf denen derzeit eine großflächige Wiedervernässung vorbereitet wird.
Vielen Dank, Anke, für das Interview!
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Eines unserer Geschäftsfelder ist die Entwicklung nachhaltiger Projekte im Bereich Landwirtschaft.