Förderung für Genossenschaftsanteile: Simon Stott über die Hürden bei KfW 134
Ein Förderprogramm mit attraktiven Konditionen – aber kaum eine Bank, über die es beantragt werden kann: Anfang 2026 wurde dieses Problem für die OEKOGENO eG im Projekt Kleineschholz ganz konkret. Zukünftige Bewohner:innen hatten den KfW-Kredit 134 fest für die Finanzierung ihrer Genossenschaftsanteile eingeplant. Doch der Zugang zur Förderung erwies sich als schwierig.
Für Simon Stott aus dem OEKOGENO-Team war schnell klar: Das betrifft nicht nur einzelne Familien. Bereits aus früheren Projekten und aus dem Austausch mit anderen Genossenschaften kannte er die Schwierigkeiten rund um KfW 134. Gemeinsam mit zahlreichen Organisationen brachte die OEKOGENO das Thema deshalb an das Bundesbauministerium heran.
Im Interview erzählt Simon Stott, wie aus Erfahrungen in der Projektarbeit ein gemeinsamer politischer Vorstoß entstand, was sich am Förderprogramm ändern müsste – und warum genossenschaftliche Wohnprojekte aus seiner Sicht eine stärkere politische Stimme brauchen.
Zur Person
Simon Stott hat Betriebswirtschaftslehre studiert sowie seinen Master in Ökonomie und Gesellschaftsgestaltung absolviert und ist seit 2020 Teil der OEKOGENO. Als Inklusionsbeauftragter ist er dafür verantwortlich, in den Wohnprojekten Strukturen zu entwickeln, die ein gleichberechtigtes Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung ermöglichen
Förderung für Genossenschaftsanteile: Wenn der Zugang an der Hausbank scheitert
Simon, wann bist du zum ersten Mal mit KfW 134 in Berührung gekommen?
Das war bei unserem Wohnprojekt in Ilbenstadt. Dort hatten wir eine Bank, die unser Projekt und die Finanzierung gut kannte. Deshalb konnten die zukünftigen Bewohner:innen den KfW-Kredit dort relativ unkompliziert beantragen. Gleichzeitig hörten wir schon damals von anderen Organisationen, dass sie große Schwierigkeiten hatten, überhaupt eine Bank zu finden, die das Programm anbietet.
Gemeinsam für eine Förderung von Genossenschaftsanteilen, die in der Praxis funktioniert
Wie wurde aus den Erfahrungen in Kleineschholz eine gemeinsame politische Initiative?
Im Austausch mit Netzwerken, Genossenschaften und anderen Wohnprojekten wurde schnell deutlich, dass viele dieselben Erfahrungen gemacht hatten. Da war für uns klar: Wir müssen gemeinsam zeigen, dass das kein Einzelfall ist. Deshalb haben wir Organisationen aus ganz Deutschland angesprochen.
Die Resonanz war groß: Rund 30 Genossenschaften, Vereine und Netzwerke schlossen sich dem Schreiben an. Uns war wichtig, nicht einfach nur Kritik zu äußern. Wir wollten mit den Verantwortlichen ins Gespräch kommen und gemeinsam nach einer Lösung suchen. Wir verstehen uns dabei als Stimme aus der Praxis. Wir können zeigen, was passiert, wenn Menschen tatsächlich versuchen, den Kredit zu beantragen – und an welchen Stellen sie scheitern.
Dass sich so viele Organisationen angeschlossen haben, zeigt für mich ganz klar: Das ist kein Sonderproblem der OEKOGENO oder von Kleineschholz. Es betrifft viele genossenschaftliche Wohnprojekte.
Was müsste sich konkret ändern, damit KfW 134 besser funktioniert?
Als Erstes müsste man das Programm einmal aus Sicht eines typischen Haushalts durchspielen: Kann dieser Haushalt den Kredit tatsächlich beantragen – oder scheitert er schon daran, eine Bank zu finden? Danach sollten sich das Bundesbauministerium, die KfW, die Banken und Menschen aus der Praxis gemeinsam anschauen, was sich ändern muss, damit die Banken das Programm wirklich anbieten können.
Wir können nicht sagen, wie die Lösung im Detail aussehen muss – dafür braucht es die Fachleute aus dem Bank- und Förderbereich. Was wir aber sehr klar sagen können: Das Programm verfolgt ein gutes Ziel, kommt bei vielen der vorgesehenen Menschen derzeit aber nicht an. Und wenn der Bund ein solches Förderprogramm auflegt, muss er aus meiner Sicht auch dafür sorgen, dass es in der Praxis funktioniert.
Förderung für Genossenschaftsanteile: Wenn der Zugang an der Hausbank scheitert
Wie wurde aus den Erfahrungen in Kleineschholz eine gemeinsame politische Initiative?
Im Austausch mit Netzwerken, Genossenschaften und anderen Wohnprojekten wurde schnell deutlich, dass viele dieselben Erfahrungen gemacht hatten. Da war für uns klar: Wir müssen gemeinsam zeigen, dass das kein Einzelfall ist. Deshalb haben wir Organisationen aus ganz Deutschland angesprochen.
Die Resonanz war groß: Rund 30 Genossenschaften, Vereine und Netzwerke schlossen sich dem Schreiben an. Uns war wichtig, nicht einfach nur Kritik zu äußern. Wir wollten mit den Verantwortlichen ins Gespräch kommen und gemeinsam nach einer Lösung suchen. Wir verstehen uns dabei als Stimme aus der Praxis. Wir können zeigen, was passiert, wenn Menschen tatsächlich versuchen, den Kredit zu beantragen – und an welchen Stellen sie scheitern.
Dass sich so viele Organisationen angeschlossen haben, zeigt für mich ganz klar: Das ist kein Sonderproblem der OEKOGENO oder von Kleineschholz. Es betrifft viele genossenschaftliche Wohnprojekte.
Warum ist KfW 134 gerade für junge genossenschaftliche Wohnprojekte so wichtig?
Junge Genossenschaften haben noch keine großen Wohnungsbestände und meist auch keine entsprechenden Rücklagen. Deshalb kommt ein großer Teil des Eigenkapitals für das Projekt von den zukünftigen Bewohner:innen, über ihre Genossenschaftsanteile.
Mit KfW 134 können sich auch Menschen beteiligen, die nicht so viel eigenes Geld mitbringen. Genau deshalb ist das Programm so wichtig. Die besten Förderbedingungen bringen aber nichts, wenn man keine Bank findet, bei der man den Kredit beantragen kann.
Mehr als eine Finanzierungsfrage: Wie wir wohnen, prägt unser Zusammenleben
Geht es euch dabei nur um KfW 134 – oder steckt dahinter noch ein größeres Thema?
Kleine, inklusive und gemeinschaftliche Wohnprojekte haben politisch bisher keine besonders starke Stimme. Dabei schaffen sie nicht nur Wohnungen, sondern auch Orte, an denen Menschen sich begegnen, sich gegenseitig unterstützen und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.
Die etablierten Genossenschaften leisten einen enorm wichtigen Beitrag, weil sie langfristig bezahlbaren Wohnraum sichern. Gleichzeitig entstehen in jungen gemeinschaftlichen Projekten viele neue Ideen dafür, wie Menschen zusammen wohnen und sich gegenseitig unterstützen können. Ich würde mir wünschen, dass beide Seiten noch stärker zusammenarbeiten und ihre Erfahrungen gemeinsam in die politische Debatte einbringen.
Dafür müssen sich solche Projekte dauerhaft stärker zusammenschließen und gemeinsam Gehör verschaffen. Gleichzeitig brauchen sie Finanzierungsbedingungen, unter denen neue Projekte überhaupt entstehen können.
Was motiviert dich persönlich, dich für dieses Thema einzusetzen?
Das Thema Wohnen beschäftigt mich, weil es für unser Zusammenleben eine unglaublich große Rolle spielt. Wie und wo wir wohnen, prägt einen großen Teil unseres Alltags: ob wir anderen Menschen begegnen, uns gegenseitig unterstützen oder uns allein fühlen.
Wenn ich nach Hause komme, macht es einen Unterschied, ob ich mich vollständig zurückziehe oder ob es Räume und Gelegenheiten gibt, in denen ich anderen Menschen begegnen kann. Gemeinschaftliche Wohnformen sind kein Allheilmittel. Aber sie können dazu beitragen, dass Menschen weniger allein sind, dass Inklusion im Alltag gelebt wird und dass man sich gegenseitig unterstützt.
In der Art, wie wir wohnen, steckt deshalb unglaublich viel Potenzial: für Teilhabe, gegenseitige Unterstützung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Dafür brauchen wir Strukturen, die es Menschen leichter machen, sich gemeinschaftlich zu organisieren.
Wie wir wohnen, prägt letztlich auch, wie wir miteinander leben. Genossenschaften können Räume schaffen, in denen Gemeinschaft, Teilhabe und gegenseitige Unterstützung nicht nur eine Idee bleiben, sondern im Alltag möglich werden.
Danke, Simon, für das Interview!
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Deep Dive zum Thema „KfW134“
Sie möchten tiefer einsteigen? In unserem Hintergrundartikel erklären wir, warum die OEKOGENO sich dafür einsetzt, das KfW 134-Programm zu schärfen – und stellt die politische Initiative von rund 30 Organisationen vor.