Gemeinschaftlich wohnen in Gottmadingen
Noch ist es still auf dem Gelände der ehemaligen Eichendorffschule. Die Wege sind da, die Bäume stehen, der Raum ist spürbar – und doch wartet dieser Ort auf sein neues Kapitel. Wo früher Pausenglocken den Takt vorgaben, soll bald Alltag einziehen: Stimmen, Begegnungen, gemeinsames Leben.
In Gottmadingen entsteht hier ein Quartier, das mehr sein wird als nur Wohnraum: Es zielt auf gemeinschaftliches Wohnen und auf einen Ort, an dem Menschen füreinander da sind, Verantwortung teilen und Gemeinschaft aktiv gestalten.
Aus Schule wird Quartier
Gemeinsam mit der Gemeinde und dem Projektpartner Gapp Holzbau plant die OEKOGENO die Entwicklung eines zukunftsweisenden Wohnquartiers auf dem Gelände der ehemaligen Eichendorffschule. Der Anspruch ist hoch – und bewusst gewählt: Es geht um gemeinschaftliches, inklusives und nachhaltiges Wohnen
Warum Gottmadingen?
Die Gemeinde liegt im Süden Deutschlands, in der landschaftlich geprägten Region zwischen Bodensee, Hegau und Schweizer Grenze, nur wenige Kilometer entfernt von Konstanz und Singen. Dank guter Bahnverbindungen, zweier Anschlüsse an die A81 und der Nähe zur Schweiz ist Gottmadingen ein attraktiver Wohn- und Arbeitsort – nicht zuletzt für Pendler:innen.
Gleichzeitig steht die Region unter hohem Wohnungsdruck. Gottmadingen ist in den vergangenen Jahrzehnten gewachsen, hat sich als funktionierender Industriestandort etabliert und sucht nach Antworten auf die Frage, wie Wohnraum und soziale Stabilität auch in Zukunft gesichert werden können. Das Projekt zeigt, wie gemeinschaftliches Wohnen eine Antwort auf Wohnungsdruck und soziale Vereinzelung sein kann.
78244 Gottmadingen“ von Talkrabb, CC BY-SA 4.0
Quelle: Wikimedia Commons
Gemeinschaftliches Wohnen als Haltung
Im Mittelpunkt des Projekts steht die Idee des gemeinschaftlichen Wohnens. Die zukünftigen Bewohner:innen gestalten ihr Lebensumfeld aktiv mit und übernehmen Verantwortung für gemeinschaftliche Aufgaben. Ziel ist eine vielfältige Hausgemeinschaft, in der unterschiedliche Generationen, Lebensentwürfe und soziale Hintergründe zusammenkommen – Menschen mit und ohne Behinderung selbstverständlich eingeschlossen.
Gemeinschaft wird hier nicht verordnet, sondern ermöglicht: durch Räume, Strukturen und eine genossenschaftliche Organisation, die Mitbestimmung und Solidarität zum Prinzip macht. Die Mieten orientieren sich an den tatsächlichen Kosten und nicht am Markt – ein wichtiger Beitrag zu langfristiger Bezahlbarkeit und Sicherheit.
Das Herz des Quartiers
Eine besondere Rolle kommt dem ehemaligen Schulgebäude zu. Es bleibt erhalten und wird zum Mittelpunkt des neuen Quartiers. Hier sind gemeinschaftliche und soziale Nutzungen vorgesehen: Treffpunkte, Gemeinschaftsräume, Angebote für Betreuung, Arbeit und Begegnung.
Der neu entstehende Quartiersplatz öffnet sich zur Nachbarschaft und verbindet das neue Wohngebiet mit dem bestehenden Umfeld. Er ist bewusst als öffentlicher Raum gedacht – als Ort des Ankommens, des Verweilens und des Austauschs.
Architektur für Nachbarschaft
Städtebaulich greift das Quartier die Struktur der umliegenden Bebauung auf. Blockrand- und Hofbebauung schaffen einen geschützten, grünen Innenbereich. Versetzt angeordnete Gebäude mit ein bis vier Geschossen bilden überschaubare Nachbarschaften.
Laubengänge, Platzfolgen und gemeinschaftlich genutzte Wege sind mehr als reine Erschließung: Sie fördern Begegnung im Alltag. Der ruhende Verkehr wird an den Rand des Areals verlagert – in eine Quartiersgarage und eine maßvoll dimensionierte Tiefgarage. So entsteht ein weitgehend autofreies Quartier mit viel Raum für Menschen, Grün und Aufenthalt.
Draußen zuhause
Auch die Freiräume sind zentraler Bestandteil des Konzepts. Der Quartiersplatz, kleinere Treffpunkte und ein grünes Band, das sich durch das Areal zieht, strukturieren den Außenraum. Regenwasser wird gesammelt, versickert und als gestalterisches Element genutzt – im Sinne des Schwammstadt-Prinzips.
Obstbäume, Gemeinschaftsgärten und private Grünflächen im Erdgeschoss laden zum Mitmachen ein. Hier wird gespielt, gegärtnert, gefeiert – und Nachbarschaft gelebt.
Weil große Wohnideen einen starken Start brauchen
Inklusion im Alltag
Ein wesentliches Merkmal des Projekts ist das integrative Inklusionskonzept. Menschen mit Behinderung sollen hier selbstbestimmt wohnen können – mit der Unterstützung, die sie benötigen, und eingebunden in die Hausgemeinschaft.
Architektur, Grundrisse und Außenanlagen sind so gestaltet, dass Teilhabe möglich wird: barrierefrei, flexibel und offen. In Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Träger werden begleitete Wohnformen realisiert, die Integration statt Trennung in den Mittelpunkt stellen.
Nachhaltig gedacht
Das Quartier setzt auf eine ökologische Bauweise mit Holz oder Holz-Hybrid-Konstruktionen, auf Begrünung von Dächern und Fassaden sowie auf ein durchdachtes Regenwassermanagement. Angestrebt wird ein hoher energetischer Standard (KfW-40), ergänzt durch Photovoltaikanlagen und ein Mieter:innenstrommodell.
Ein Mobilitätskonzept mit Car-Sharing, Ladeinfrastruktur und großzügigen Fahrradstellplätzen unterstützt den Verzicht auf das eigene Auto. Nachhaltigkeit wird hier nicht als Zusatz verstanden, sondern als Grundlage für einen zukunftsfähigen Betrieb.
Genossenschaftlich wohnen – gemeinsam entscheiden
Organisiert ist das Projekt als selbstständige Hausgenossenschaft. Wer hier wohnt, ist Mitglied und gestaltet das Zusammenleben mit. Jede Stimme zählt gleich – unabhängig von Wohnungsgröße oder finanzieller Beteiligung.
Die Genossenschaft sichert ein lebenslanges Wohnrecht, stabile Mieten und die dauerhafte Bindung der Projektziele. Wertsteigerungen bleiben im gemeinsamen Besitz und kommen der Gemeinschaft zugute.
Ein Quartier für Menschen, die mehr suchen
Das Projekt in Gottmadingen richtet sich an Menschen, die gemeinschaftlich wohnen und Verantwortung übernehmen möchten – unabhängig von Alter, Herkunft oder Lebenssituation.
Wer Teil dieses „Wir“ werden möchte, ist eingeladen, den nächsten Schritt zu gehen: sich zu informieren, ins Gespräch zu kommen und mitzudenken. Denn dieses Quartier entsteht nicht nur aus Plänen und Gebäuden – sondern aus den Menschen, die es mit Leben füllen.
Projektentwicklung im Dialog
Als Genossenschaft entwickeln wir neue Wohnprojekte nicht „am Reißbrett“, sondern im Dialog mit den Menschen vor Ort. Deshalb befinden sich neue Projekte zunächst in einer frühen Prüfphase. In dieser Phase stellen wir die Projektidee öffentlich vor, laden zum Austausch ein und machen Interesse sichtbar – etwa über Veranstaltungen oder konkrete Anfragen.
Ob und wie ein Projekt umgesetzt wird, entscheidet sich auf dieser Basis. So stellen wir sicher, dass gemeinschaftliches Wohnen dort entsteht, wo es tatsächlich getragen wird.