Was die Forschung zur Zukunft des Wohnens sagt – und was unsere Mitglieder uns mit auf den Weg geben
„Wie wollen wir morgen wohnen?“ – diese Frage ist alles andere als theoretisch. Klimakrise, Wohnungsmangel, steigende Baukosten und eine Gesellschaft, die älter, bunter und individueller wird: All das sorgt dafür, dass sich unsere Wohnformen verändern müssen. Gleichzeitig zeigen Studien: Die Zukunft des Wohnens wird vielfältiger, flexibler – und gemeinschaftlicher (Quelle).
Im November-Newsletter haben wir unsere OEKOGENO-Mitglieder gefragt, wie sie sich das Wohnen von morgen vorstellen. Die Antworten passen erstaunlich gut zu den großen Trends in Architektur und Stadtentwicklung – und zu dem, was wir mit der OEKOGENO seit Jahren aufbauen.
Was sich ändert: Wohnen zwischen Klima, Wohnraummangel und neuen Lebensentwürfen
Fast überall das gleiche Bild: Zu wenig bezahlbarer Wohnraum, zu viel versiegelte Fläche, zu hohe CO₂-Emissionen im Gebäudesektor. Allein in Deutschland fehlen laut Studien rund 1,5 Millionen Wohnungen – vor allem in den Ballungszentren. Gleichzeitig soll der Gebäudebestand seine Emissionen bis 2030 deutlich senken. (Quelle )
Dazu kommen gesellschaftliche Entwicklungen:
- Mehr Singlehaushalte und Patchworkfamilien
- Ältere Menschen, die möglichst lange selbstbestimmt wohnen möchten
- Mehr Menschen mit Unterstützungsbedarf, die nicht „ausgelagert“, sondern mitten im Quartier leben wollen
- Der Wunsch nach Gemeinschaft statt Anonymität – ohne auf Rückzug verzichten zu müssen
Unsere Umfrage zeigt, dass unsere Leser:innen diese Spannungen sehr deutlich wahrnehmen:
- 58 % sehen Einsamkeit und Vereinzelung als Problem,
- 54 % nennen den hohen Ressourcenverbrauch als eine der größten Herausforderungen des Wohnens,
- 46 % sorgen sich um Flächenknappheit und Nachverdichtung,
- 42 % kritisieren die fehlende soziale Durchmischung,
- 33 % bemängeln fehlende Begegnungsräume.
Kurz gesagt: Es fehlt nicht nur an Quadratmetern, sondern auch an Qualität – ökologisch wie sozial.
Trends im Wohnen und Bauen: Wie sieht Wohnen der Zukunft aus?
Klimafreundlich bauen: Holz, Energieeffizienz, Kreislauf
In der Baupolitik – aber auch in der Architektur – setzt sich immer stärker durch: Ohne eine Bauwende gibt es keine Klimawende.
Wichtige Trends:
- Holz- und Holzhybridbau: Holz speichert CO₂ und ersetzt CO₂-intensive Materialien wie Beton und Stahl. Die Bundesregierung hat deshalb eine Holzbauinitiative auf den Weg gebracht, um den Anteil von Holzbauten bis 2030 deutlich zu erhöhen. (Quelle)
- Energieeffiziente Gebäude & Plusenergiehäuser: Neubauten orientieren sich zunehmend an hohen Effizienzstandards; Häuser, die mehr Energie produzieren als sie verbrauchen, sind keine Science-Fiction mehr, sondern realisierte Projekte. (Quelle )
- Kreislauffähigkeit: Gebäude werden als „Materialbanken“ gedacht – modular gebaut, sortenrein trennbar und so geplant, dass Bauteile später wiederverwendet werden können. (Quelle)
Unsere Umfrage spiegelt diesen Trend:
- 96 % der Teilnehmenden erwarten, dass Nachhaltigkeit und Energieeffizienz beim Wohnen der Zukunft an Bedeutung gewinnen.
- 79 % verbinden „nachhaltig wohnen“ konkret mit energieeffizientem Bauen, langlebigen Materialien und dem Teilen von Ressourcen wie Carsharing oder Coworking.
Weniger Fläche, mehr Flexibilität
Forschungsinstitute und Wohnungswirtschaft gehen davon aus, dass kleinere Wohnungen und mehr gemeinschaftlich genutzte Flächen ein Schlüssel für zukunftsfähiges Wohnen sind: kompakter privater Wohnraum, dafür großzügige Gemeinschaftsräume, Gästewohnungen, Coworking, Werkstätten, Gärten. (Quelle )
Auch hier liegen unsere Leser:innen ganz auf Linie mit den aktuellen Debatten:
- 50 % nennen flexible Wohnformen wie Clusterwohnungen und
- 50 % Tiny Houses als Trends der Zukunft.
Der rote Faden: Wohnraum soll sich an Lebensphasen anpassen – statt dass wir bei jeder Veränderung unser ganzes Leben umziehen müssen.
Gemeinschaft & Nachbarschaft als Wohnressource
Studien zu gemeinschaftlichen Wohnprojekten zeigen: Wo Menschen Räume, Dinge und Verantwortung teilen, sinkt der Flächen- und Ressourcenverbrauch – und die Lebensqualität steigt. (Quelle )
Unsere Umfrage unterstreicht das:
- 71 % der Befragten glauben, dass Gemeinschaft und Nachbarschaft in Zukunft wichtiger werden.
- Auf einer Skala von 1 (sehr wichtig) bis 5 bewerten rund zwei Drittel Gemeinschaft im direkten Wohnumfeld mit 1 oder 2 – also als sehr wichtig.
- In den Freitextantworten zur Frage, was eine gute Nachbarschaft braucht, tauchen immer wieder Begriffe auf wie
„gegenseitige Hilfe“, „Respekt“, „Solidarität“, „gemeinsame Aktivitäten“ – ebenso aber „Rückzugsmöglichkeiten“ und „Ruhe“.
Ein:e Teilnehmer:in bringt es schön auf den Punkt:
„Ich wünsche mir für die Zukunft des Wohnens, dass es um Orte echten Zusammenlebens geht!“
Was sich unsere Leser:innen für die Zukunft des Wohnens wünschen
Die Antworten auf die offene Frage „Ich wünsche mir für die Zukunft des Wohnens, dass …“ lesen sich wie ein kleines Manifest:
- „… weniger Fläche verbaut wird, chemiefreier, klimaangepasst, behindertengerechter gebaut wird.“
- „… wir miteinander und nachhaltig leben.“
- „… es viel Gemeinschaft gibt und dass es erschwinglich ist.“
- „… es für alle finanzierbar ist.“
Und wie groß ist die Bereitschaft, selbst etwas zu verändern?
- 50 % sagen: „Ja, auf jeden Fall“ – sie können sich vorstellen, in ein gemeinschaftliches Wohnprojekt zu ziehen.
- 33 % antworten: „Vielleicht, unter bestimmten Voraussetzungen“.
- Nur 17 % sagen klar: „Nein, das passt eher nicht zu mir.“
Damit zeigen unsere Leser:innen deutlich: Neue Wohnformen sind längst kein Nischenthema mehr.
Weil große Wohnideen einen starken Start brauchen
Wie die OEKOGENO diese Zukunft baut
Viele der Wünsche aus der Umfrage sind in unseren Projekten bereits Realität oder im Entstehen.
Nachhaltige Quartiere statt Einzelhäuser
Am Beispiel des Wohnquartiers Zwischendörfer in Ehrenkirchen lässt sich gut zeigen, wie wir Zukunftstrends auf Quartiersebene denken:
- Klimafreundlich bauen: Die Gebäude werden im Standard KfW 40 Plus errichtet – sie verbrauchen rund 60 % weniger Energie als ein Standardneubau. Gebaut wird in Holzbauweise, mit überwiegend ökologischen Dämmstoffen und einem gesunden Raumklima.
- Effiziente Energieversorgung: Ein Blockheizkraftwerk und Photovoltaikanlagen auf den Dächern versorgen das Quartier mit Wärme und Strom; über ein Mieterstrommodell können Bewohner:innen den Strom direkt vom eigenen Dach beziehen.
- Zukunftsfähige Mobilität: Gute ÖPNV-Anbindung, Fokus auf Fuß- und Radverkehr, Platz für Lastenräder und Anhänger – so wird das Auto zur Option, nicht zur Notwendigkeit.
Gemeinschaftlich wohnen, inklusiv leben
In unseren genossenschaftlichen Mehrgenerationen-Projekten bringen wir zusammen, was sich viele in der Umfrage wünschen:
- Bewohner:innen mit und ohne Behinderung, verschiedene Altersgruppen, unterschiedliche Lebensmodelle – alle unter einem Dach.
- Barrierefreie und pflegegerechte Wohnungen, die es ermöglichen, lange selbstbestimmt zu wohnen.
- Gemeinschaftsräume, Gärten, Nachbarschaftsinitiativen – Orte, an denen Begegnung im Alltag selbstverständlich wird.
Damit greifen wir gleich mehrere Trends auf, die Expert:innen für zukunftsfähiges Wohnen sehen: weniger Fläche pro Kopf, dafür mehr geteilte Räume; vielfältige Bewohner:innenstruktur; Nachbarschaft als soziale Infrastruktur. (Quelle: https://difu.de/ )
Genossenschaft: Gemeinsam Verantwortung tragen
Dass unsere Mitglieder so offen für gemeinschaftliche Wohnformen sind, überrascht vielleicht nicht – aber es ist ein starkes Signal:
- Über 80 % der Umfrageteilnehmenden können sich vorstellen, in ein gemeinschaftliches Wohnprojekt zu ziehen (klares Ja oder Ja unter Bedingungen).
Mit der Genossenschaft schaffen wir dafür den Rahmen:
- Alle bringen Genossenschaftsanteile und damit Eigenkapital ein.
- Entscheidungen werden demokratisch getroffen.
- Werte wie Solidarität, Nachhaltigkeit, Inklusion sind nicht nur Schlagworte, sondern in der Satzung verankert.
Oder anders gesagt:
Wer bei der OEKOGENO wohnt oder investiert, baut nicht nur Steine – sondern Nachbarschaft.
Ein Blick nach vorn – gemeinsam
Die Ergebnisse aus unserer Umfrage und die Erkenntnisse aus der Forschung erzählen im Kern dieselbe Geschichte:
Die Zukunft des Wohnens entscheidet sich nicht allein an Baustandards, Energiekennzahlen oder Quadratmetern. Sie entscheidet sich daran, wie wir zusammenleben wollen.
Unsere Mitglieder wünschen sich Nachbarschaften, die tragen. Wohnformen, die nachhaltig sind – ökologisch wie sozial. Räume, die Rückzug ermöglichen und gleichzeitig Begegnung zulassen. Genau dort setzt die OEKOGENO seit vielen Jahren an: mit gemeinschaftlichen, inklusiven und zukunftsfähigen Wohnprojekten, die nicht nur gebaut, sondern gemeinsam gestaltet werden.
Was uns besonders bestärkt: Viele der Wünsche aus der Umfrage finden sich bereits heute in unseren Projekten wieder – und sie zeigen, dass gemeinschaftliches Wohnen längst kein Randthema mehr ist. Es ist eine konkrete Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit.
Die Frage „Wie wollen wir morgen wohnen?“ bleibt offen – und das ist gut so.
Denn sie lädt dazu ein, weiterzudenken, mitzudiskutieren und Verantwortung zu übernehmen. Gemeinsam.

