Von der Abtei zum genossenschaftlichen Wohnquartier

Feb. 19, 2026

Ein Schlüssel wechselt die Hand.

Mehr passiert an diesem Tag nicht – und doch beginnt alles neu.

Im Wohnprojekt Kloster Ilbenstadt wurden Ende Januar die ersten Schlüssel übergeben. Kein großes Spektakel, keine Inszenierung. Aber ein Moment, der sichtbar macht, was lange vorbereitet wurde: Aus Planung und Bau wird Alltag. Aus einem Projekt wird ein Ort, der bewohnt wird.

Ein Ort mit Geschichte

Das Wohnprojekt Kloster Ilbenstadt ist auf einem Gelände entstanden, dessen Geschichte fast neun Jahrhunderte zurückreicht. Das Kloster ist ein ehemaliges Prämonstratenser-Chorherrenstift mit Ursprüngen im 12. Jahrhundert. Über Jahrhunderte war es geistliches und wirtschaftliches Zentrum der Region.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Anlage von Söldnerarmeen geplündert, später von kaiserlichen Truppen befreit. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde das Stift zur Abtei erhoben – verbunden mit einem barocken Neubau, der das Erscheinungsbild bis heute prägt.

Mit der Säkularisierung 1803 wurde das Kloster aufgelöst. Es ging zunächst in Adelsbesitz über, später in staatliche Hand. Im 20. Jahrhundert veränderten sich die Nutzungen mehrfach: Während der NS-Zeit diente das Areal dem Reichsarbeitsdienst, danach war es Unterkunft für ein Erziehungsheim, später Bildungshaus.

Der Ort hat sich immer wieder gewandelt. Und genau in dieser Linie steht auch das heutige Wohnprojekt der OEKOGENO eG.

Weiterbauen im Bestand

Die aktuelle Entwicklung greift diese gewachsene Struktur auf. Denkmalgeschützter Bestand wurde saniert und mit behutsam eingefügten Neubauten ergänzt. Ziel war es, das Areal dauerhaft als Wohnort zu sichern und weiterzuentwickeln.

Der Klostergarten bleibt als prägender Freiraum erhalten. Ein Quartierszentrum schafft Raum für Begegnungen. Aus einem historisch geprägten Ensemble entsteht ein genossenschaftlich organisiertes Wohnquartier, das Vergangenheit sichtbar lässt und zugleich Gegenwart ermöglicht.

Mit der Schlüsselübergabe beginnt nun die Betriebsphase.

Ein neues Kapitel

In seiner Ansprache am Tag der Schlüsselübergabe ordnete Michael Hahn, Bürgermeister der Stadt Niddatal, diesen Moment bewusst historisch ein. Er knüpfte an die lange Geschichte des Ortes an und machte deutlich, dass der Einzug der ersten Bewohner:innen kein Bruch, sondern eine Fortsetzung sei.

„Mit dem heutigen Einzug der ersten Bewohnerinnen und Bewohner beginnt ein neues Kapitel in der langen Geschichte dieses Areals –
eines Ortes, an dem über Jahrhunderte gearbeitet, gelebt und Gemeinschaft gestaltet wurde.“

Die Übergabe der Schlüssel markiert damit mehr als das Ende einer Bauphase, nämlich einen weiteren Wandel in einer langen Abfolge von Veränderungen.

Bedeutung für die Stadt

Dass Bürgermeister Hahn die Schlüsselübergabe begleitete, unterstreicht die Bedeutung des Projekts für die Kommune Niddatal. Neue Bewohner:innen bedeuten Bewegung für einen Ort – sozial, strukturell, wirtschaftlich.

„Die Stadt freut sich sehr über die Belebung dieses besonderen Ortes. Neue Familien, junge und ältere Menschen bringen neue Perspektiven
– und vor allem wieder Leben dorthin, wo es hingehört.“

Aus einem historischen Ensemble wird wieder ein bewohnter Teil der Stadt.

Jetzt beginnt der Alltag

Dem Einzug gingen mehrere Jahre Planung und Bauzeit voraus – verbunden mit den besonderen Anforderungen eines denkmalgeprägten Areals. Für die OEKOGENO eG steht das Projekt beispielhaft für die Verbindung von Alt und Neu: für das Weiterbauen im Bestand und für genossenschaftliches Wohnen, das historische Orte langfristig sichert und belebt.

Nun beginnt der Alltag. Wohnungen werden eingerichtet. Wege entstehen. Begegnungen wachsen.

Michael Hahn formulierte diesen Übergang auch persönlich:

„Mögen Sie hier Ruhe finden, Geborgenheit erleben, gute Nachbarschaften aufbauen und
diesen besonderen Ort mit Ihrem Leben, Ihrem Lachen und Ihren Geschichten füllen.“

Es ist ein Wunsch – und zugleich der eigentliche Anfang.

Ein Schlüssel. Ein Übergang.

Die ersten Schlüssel in Ilbenstadt markieren einen Übergang.
Für die Menschen, die hier einziehen, beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Für das Projekt beginnt die Phase, in der sich zeigt, was es im Alltag trägt.

Und für die OEKOGENO eG bestätigt sich einmal mehr: Wohnen ist kein Produkt, sondern ein Prozess – einer, der Zeit braucht, Beziehung und Verantwortung.

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